Der Berlin-Marathon 2017 und die Form des Lebens

 

Der Plan für den Berlin-Marathon: Genussvoll und angriffslustig laufen

Morgen gilt es. Wenn um 9.15 Uhr der Startschuss für den diesjährigen Berlin-Marathon fällt und ich wenige Minuten später über die Startlinie laufe, wird es sich zeigen, ob mein Training Früchte tragen wird. Sechzehn Wochen lang bereitete ich mich planmäßig und intensiv auf meinen saisonalen Laufhöhepunkt vor. Falls ich mich nicht verzählt haben sollte, so lief ich in diesem Zeitraum  insgesamt 1018 Kilometer. Von Tempo- und Tempointervall-Läufen, hin zu langen Dauer- und Joggingläufen im Tempo von 5:00 bis 5:30 waren alle relevanten Marathontrainingseinheiten dabei.

Ich fühle mich fit, ich fühle mich gut, die Nervosität hält sich noch in Grenzen, wird aber im Verlauf des heutigen Tages langsam steigen. Das gehört einfach dazu, auch bei meiner achten Marathonteilnahme seit 2005, der vierten in Berlin. Ich bin verletzungsfrei und gesund durch den Sommer gekommen, das war schon mal superwichtig für den Leistungsaufbau. Das Wetter spielte meistens mit, die Temperaturen lagen im Schnitt bei 18-20 Grad im Schatten, für mich optimale Werte.

Dass ich mal während eines 16-Kilometer-Jogginglaufes im Juni bei 13 Grad (gefühlt sieben) von einem fürchterlichen Regensturm erwischt worden bin, knapp die Hälfte eines langen Dauerlaufs von 28 KM im prasselnden Regen (immerhin war es temperaturtechnisch wärmer), aber auch 4×2000 Meter Tempo-Intervalle auf den Bahn bei 30 Grad absolvieren musste, das hat mich (hoffentlich) nur noch stärker gemacht. Der Starkregen hat dann doch genervt, die Hitze vertrug ich psychisch besser.

Den neuen Trainingsplan, der auf eine Endzeit von unter drei Stunden ausgerichtet war, verkraftete ich zu meiner Überraschung ganz hervorragend. Nur zwei oder drei Einheiten musste ich termintechnisch streichen und drei, vier weitere waren vom geforderten Schnitt einfach zu schnell. Dessen war ich mir aber bereits im Vorfeld bewusst, das stellte also gar keine negative Überraschung für mich dar. Ganz davon abgesehen, dass mein Ziel am morgigen 24.09.2017 eine neue Bestzeit ist, also eine Zeit unter 3:10 Stunden. Hierfür sehe ich mich bestens vorbereitet und sehr guten Mutes.

Ich fühle mich in der Marathon-Form meines Lebens und sollten morgen sämtliche positiven Faktoren zusammenkommen, dann greife ich auch die 3-Stunden-Marke an. Zu diesen Faktoren zählen das Wetter sowie meine Tagesform. Das Wetter kann ich nicht beeinflussen (10-15 Grad, wolkig, kein Regen, keine Sonne, das wäre sehr gut), die Tagesform bedingt. Schon im Jahre 2010 trainierte ich auf eine Zielzeit von unter drei Stunden (bei einer damaligen Bestzeit von 3:20:24 ein mehr als ambitioniertes Unterfangen), erreichte im Training ebenfalls sehr gute Richtwerte, aber die Tagesform ließ den geplanten Generalangriff auf die ominöse Schallmauer nicht zu. Bereits nach 17 Kilometern dachte ich im Berliner Dauerregen ernsthaft ans Aufgeben, biss mich dann jedoch durch und lief das Rennen als eine sehr, sehr lange Trainingseinheit zu Ende.

Immerhin unterbot ich meine Bestzeit um über sieben Minuten, ein Quantensprung. Sollte mir eine ähnliche Verbesserung morgen gelingen, wäre ich ein sehr glücklicher Marathon-Finisher. Momentan sieht die Wetterprognose relativ günstig aus, meinen Trainingsbeitrag habe ich geleistet, ich sehe dem morgigen Treiben positiv und optimistisch entgegen. Und sollte ich wider Erwarten, aus welchen Gründen auch immer, meine angepeilte Bestzeit verfehlen, dann wäre ich zwar unzufrieden, aber davon ginge die Welt auch nicht unter. Man kann einen Marathon auch schnell und genussvoll laufen. Und genau das werde ich morgen tun. Genussvoll und angriffslustig laufen. Der Nachbericht folgt, wenn ich meine Sinne halbwegs wieder beisammen habe…

Kommentar schreiben